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Dr. Harald Kegler
Labor für Regionalplanung/ABRAXAS-Team
Lutherstadt Wittenberg, 2001-02-10
Vorschlag für einen
REGIONALPARK MITTELDEUTSCHLAND zwischen Leipzig/Halle und Potsdam/Berlin
"Die Metropolen berühren sich ..."
Der Raum zwischen den beiden Ballungsgebieten Leipzig/Halle und Berlin/Potsdam
liegt eingebettet zwischen der Magdeburger Börde im Nordwesten, der Lausitz im
Osten, dem Mansfelder Land im Westen und dem Erzgebirge im Süden. Er gehört zu
den dynamischen Transformationsgebieten im Osten Deutschlands nach der Wende
1989/90 - aus einem industriellen Kerngebiet, dem einstigen mitteldeutschen
Industriegebiet und "Hinterhof" Berlins - mit Chemieindustrie, Maschinenbau
und Bergbau sowie ausgedehnten Militärarealen, vor allem aber hochgradiger
Umweltbelastung wurde zunächst ein ökonomisches und soziales Notstandsgebiet,
es entstand aber auch ein Raum, in den enorme Investitionen für Sanierung,
Infrastruktur, Großindustrie, Stadt- und Landschaftserneuerung flossen.
Nicht zuletzt sind die Städte Leipzig, Halle, Dessau, Potsdam und natürlich
Berlin Orte des radikalen Wandels und der scharfen Gegensätze. Es sind aber
auch Orte und Gebiete mit vielfältigen und bemerkenswerten neuen Projekten,
die z. T. zur EXPO 2000 einem Weltpublikum vorgestellt wurden.
Dieser Korridor, in welchem mind. 2 Mio. Menschen leben, der etwa 150 mal
60 km misst und vier Bundesländer berührt, stellt eine ungewöhnliche Abfolge
von Stadt-Landschaften dar:
- Im Nordraum von Leipzig findet sich mit der neuen Messe,
dem internationalen Flughafen und zahlreichen wirtschaftlichen Ansiedlungen
eines der dynamischsten Gebiete, das eine direkte Anbindung an das Leipziger
und Hallenser Zentrum, aber auch an die überregionalen Verkehrstrassen -
Bahn und Autobahn - zwischen Berlin/Nord- und Osteuropa sowie Süddeutschland
und Süd- bzw. Westeuropa verzeichnet. Der Nordraum Leipzig ist eine große Verkehrsdrehscheibe.
- Der Südraum Leipzig stellt eine der weitläufigsten
Braunkohlefolgelandschaften in Deutschland dar. Umfangreiche Sanierungsarbeiten
sind im Gange. Mit dem Cospudener See ist der erste umgestaltete Tagebau einer
touristischen Nutzung übergeben worden. Der Südraum Leipzig gehört zu den
"Regionen der Zukunft" Deutschlands, die 2000 im gleichnamigen Wettbewerb
des Bundesbauministeriums (BMVBW) zu URBAN 21, der Weltkonferenz zur Zukunft
der Städte in Berlin, ausgezeichnet wurden.
- Die urbane und suburbane Industrie- und Siedlungslandschaft
zwischen Leipzig und Halle stellt einen Verdichtungsraum von europäischer
Dimension dar: das große und moderne Chemie-Industriegebiet Leuna/Merseburg,
alte Ortszentren und Kurstätten, Altindustrieareale, Gründerzeitgebiete,
Zwischenkriegs- und Plattengroßsiedlungen - überall Erneuerungsbereiche,
aber auch Verfall, sowie den jüngsten Gewerbe-, Shopping- und Siedlungsbrei
endlang der Autobahnen. Es scheint eine "neue Mitte" zwischen den Großstädten
zu entstehen - ein faszinierender, aber auch amorpher Entwicklungsraum.
- Diesem verdichteten Raum schließt sich nach Nordosten
hin in eines der kulturhistorisch einprägsamsten und in den letzten Jahren
experimentierfreudigsten Gebiete an: Die Industrie- und Bergbauareale von
Wolfen/Bitterfeld/Delitzsch, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, die Lutherstadt
Wittenberg und die Bauhausstadt Dessau, der Naturpark Dübener Heide -
eine wertvolle Natur- und Kulturlandschaft für hochwertigen Tourismus
und neue Dienstleistungen (Naturpark des 21. Jahrhunderts - Dienstleister
für die Metropolen) sowie das Biosphärenreservat Mittlere Elbe.
Den Kern stellt das Städtedreieck Dessau - Bitterfeld - Wittenberg,
das Industrielles Gartenreich, dar, das sich 2000 als Korrespondenzregion
zur EXPO mit zahlreichen innovativen Projekten zur Stadt- und
Landschaftserneuerung ausgewiesen hat. Das Industrielle Gartenreich
gehört ebenfalls zu den "Regionen der Zukunft". Spektakulärstes Projekt
ist hierbei "Ferropolis - die Stadt aus Eisen".
- Im Zentrum des zukünftigen Regionalparks liegt Ferropolis.
Diese international bekannte Landmarke und Kunststätte sowie die einstigen Kohlegruben
(von Löbnitz über die Goitzsche bis Bergwitz) bilden eine vielgestaltige neue
Wasser- und Kulturlandschaft. Sie ist Zeugnis kreativer Sanierung
von durch den Menschen geschädigter Landschaften.
- Die Auen der Elbe und Mulde bilden eine Ost-West-Zäsur im gesamten Raum.
Sie sind der sensibelste Bereich und zugleich einer der ökologisch und touristisch attraktivsten.
Am Südufer erstreckt sich das inzwischen auf die Welterbeliste gesetzte Dessau-Wörlitzer
Gartenreich, die Reformlandschaft des 18. Jahrhunderts. Heute ein Mekka des Kulturtourismus.
Hier findet sich aber auch eine fragmentierte Wirtschafts- und Wohnlandschaft mit großen
Gestaltungsherausforderungen. Die Elbe verbindet zugleich den Raum mit anderen Regionen
zwischen Hamburg und Tschechien - als ein ökologisches Refugium internationaler Bedeutung,
eine Perlenkette herausragender Städte und ein mögliches Band zukunftsfähiger Wirtschaft
(von umweltverträglicher Schifffahrt über Fischerei bis zum Tourismus).
- Am Nordufer der Elbe erhebt sich der Fläming, ein bewaldeter Höhenzug,
dünn besiedelt, vorrangig landwirtschaftlich genutzt und von besonderem Erholungswert.
Hier entsteht ein weiterer Naturpark, in welchem Land-, Forts- und Wasserwirtschaft
sowie Individualtourismus ausgewogen miteinander verbunden werden.
- Am Nordufer der Elbe erhebt sich der Fläming, ein bewaldeter Höhenzug,
dünn besiedelt, vorrangig landwirtschaftlich genutzt und von besonderem Erholungswert.
Hier entsteht ein weiterer Naturpark, in welchem Land-, Forts- und Wasserwirtschaft sowie
Individualtourismus ausgewogen miteinander verbunden werden.
- Mit der Potsdamer Kulturlandschaft, ebenfalls auf der Welterbeliste
der UNESCO, und dem attraktiven Stadtgebiet Potsdams findet der Regionalpark seinen
nördlichen Abschluss und zugleich Mündungsbereich in die Metropole Berlin.
Diese Landschaften sind nicht schlechthin eine Abfolge von "Grünzügen",
sondern stellen einen wirtschaftlich, ökologisch und kulturhistorisch dichten
"Korridor der Zukunft" dar. Dieser verbindet die Medienstädte Leipzig/Halle und
Berlin/Potsdam und nimmt in sich die industriellen Transformationsräume von
Chemie und Bergbau ebenso auf. Er vereint zugleich historisch differenzierte
Kulturlandschaften, die - zum Teil mit welthöchstem Schutzstatus versehen -
eine fast einmalige Abfolge menschlicher Landschaftsüberformung repräsentieren.
Sie sind in bestimmten Bereichen Experimentalgebiete für neue Landschaften
und Stadtteile - nach dem Ende des Zeitalters der Ressourcenverschwendung.
Der Regionalpark ist zwar mittelfristig nicht als ein Raum anzusehen, der
durch großen Bevölkerungszuwachs, aber durch ökonomische Dynamik in neuen
Zweigen geprägt sein dürfte. Wachstum und Schrumpfung werden gleichzeitig
gestaltet - ein Gleichgewicht entsteht, die Grundlage einer nachhaltigen
Entwicklung, wenn sie regional koordiniert verläuft.
Dies prädestiniert den Regionalpark Mitteldeutschland mittelfristig
als einen international wettbewerbsfähigen und zugleich sozial wie ökologisch
zukunftsfähigen Raum. Damit begibt sich die Region in EUROPÄISCHE Dimensionen.
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