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Im Schatten des neuen Zeitalters
Um 1900 konstatierten Historiker ein "Schweigen über Wörlitz".
(Hirsch 1965, 213f.) Das Gartenreich war in Agonie verfallen und in Vergessenheit geraten.

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Es schwang nur noch wenig wehleidige Hoffnung mit, wenn bedauert wurde,
dass "es wirklich ein Rätsel [ist], warum wir heute über entlegene Thäler
Norwegens mehr hören als über diese, in ihrer Art einzige Schöpfung von
höchstem kulturgeschichtlichen und hohem künstlerischen Wert" (ebd, 213f.).
Zur gleichen Zeit hatte nicht weit von Wörlitz entfernt die Industrialisierung
neue Zeichen gesetzt. Rasant entfalteten sich Tonwaren- und Zuckerindustrie
und später chemische Industrie sowie Elektroenergieerzeugung im Raum Bitterfeld-Dessau.
Das elektrochemische Zeitalter begann um 1900. Mit dem Bau der Dessau-Wörlitzer
Eisenbahn 1898 hielt die neue
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Verkehrstechnik Einzug ins Gartenreich. 1915 durchschnitt dann die
Elektroferntrasse vom Kraftwerk Zschornewitz nach Wittenberg-Piesteritz
den östlichen Teil des Gartenreichs bei Gohrau, ohne dass diese Zerschneidung -
auch in späteren Betrachtungen - problematisiert wurde.
Zögerlich begann parallel zur dynamischen Industrieentwicklung eine Rezeption
des historischen Gartenreichs: Erst in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts
wurde das Gartenreich wieder relativ bekannt - als ein kulturhistorisches
Ereignis, zusammengefasst unter dem Begriff des "Dessau-Wörlitzer Kulturkreises"
(Hirsch 1987, 7).
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