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Dr. Harald Kegler
Bauhaus und New Urbanism - die Gegensätze berühren sich!
 

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Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 Vision für BTF (Uni Miami)

Der "weiße Fleck" wird beschrieben: beim Näherkommen werden die Konturen deutlicher, Gegensätze und Gemeinsamkeiten klarer

Der Diskurs wird fortgeführt: neue Ebenen

  a) "Natur" und New URBANISM Neue Kooperationsvorhaben: in der Referenzregion Industrielles Gartenreich wird ein neues Charrette durchgeführt: das Spektrum der Gestaltungsbereiche wird um das der Landschaft erweitert: Gestaltung an der Grenze von vernetzter Industriefolgelandschaft und bereits zurückgewonnener "Natur" aus frühindustrieller Nutzung. Das Verhältnis von Naturschutz und Gestaltung einer Industriefolgelandschaft ist ein Defizit im N.U., aber auch in der Debatte in Europa um die Perspektiven und das Verständnis von "Naturschutz".
Projektort: Industriegemeinde Zschornewitz, Bergbaugebiete und Naturpark.

  b) der "Wanderprediger": Harald Bodenschatz stellt den N.U. an deutschen Universitäten und Hochschulen zur Diskussion - Interesse, aber auch Skepsis regen sich, die öffentliche Diskussion hat - wenn auch sporadisch und zaghaft - begonnen und wird von der Presse z. T. wohlwollend begleitet.

  c) die systematische "Aufarbeitung" hat begonnen - ein "typisch deutscher" Beitrag: Aus mehrwöchigen Exkursionen und verschiedenen Aufenthalten in den USA sowie der Analyse der Literatur und Kongressmaterialien wird eine Publikation, die die Geschichte, die institutionellen Grundlagen, die Projekte, die Kritik und die internationalen Entwicklungsperspektiven des N.U. darstellt vorbereitet.

  d) Projekte werden realisiert - ein "typisch amerikanischer" Beitrag: Investoren beginnen erste Vorhaben mit Architekten die zum N.U. gehören bzw. dazu gerechnet werden umzusetzen. Mit Robert Stern als "Flaggschiff" zieht vermeindlich der N.U. ein: Nobelprojekte in neotraditioneller Architektur. Es entsteht der Eindruck, N.U. sei wirklich nur eine Spielart in der Architektur und keine Städtebaubewegung und orientiere auf die Reichen der Gesellschaft - das ästhetische und soziale Vorurteil wird bestätigt!

Aber: es wird auch das Defizit der europäischen Städtebau - Kultur bestätigt: es gibt keine Bewegung, die übergreifende Ziele verfolgen könnte (siehe Charta), öffentlich wirksame Referenzprojekte zu schaffen in der Lage wäre (Ausnahme: IBA Emscher Park), disziplinübergreifende Kooperation zu entfachen vermag, kontroverse - aber gemeinsam getragenen - Kongresse veranstalten könnte, die gesellschaftspolitische Relevanz besitzen, und mit alledem praktische Beiträge zur Umkehr von Suburbanisierungstendenzen, sozialer Spaltung und Abrissvorhaben von wertvoller Substanz einleiten sowie die Entwicklung einer öffentlichen Kultur der Umweltgestaltung in Städten und Regionen maßgeblich - auf europäischer Ebene - bewerkstelligen könnte.

Chancen nicht verpassen:

Der CNU kann ohne Europa leben, umgekehrt wohl auch. Doch der sprawl wächst weltweit - gerade in den Ländern, die zu den Ursprungsgebieten der Industrialisierung zählen, Europa und Nordamerika, beginnen sich die Kräfte zu formieren, um dieser neuen "Seuche" zu begegnen. Sie löst nicht die Betroffenheitseuphorie wie BSE in Europa aus, sie schleichender und deshalb trügerisch - doch wird sie von vielen Menschen in diesen Ländern erkannt. Die Regionen dieser erde, in denen die Megastädte wachsen, stehen noch vor dieser kritischen "umkehr" des Denkens. Es müssen aber nicht erste 100 Jahre vergehen, bis das Handlungspotenzial auch dort reift. Es ist ja noch spärlich genug in den "alten Industriestaaten".

Der Weltkongress für die Zukunft der Städte in Berlin im Juli 2000 brachte das Dilemma indirekt ans Licht: die Lage ist ernst, streiten wir weiter über architektonische Stile. Die Architektenschaft war rar, die Europäer und Nordamerikaner - also Weiße - waren in der Überzahl, doch dominierten sie nicht die Debatten, ja es herrschte geradezu vornehme Zurückhaltung angesichts der erdrückenden Aussagen zur Megaurbanisierung in der übrigen Welt. Wie belanglos ist eigentlich unsere Diskussion angesichts dessen, was aus Europa und Nordamerika in diese Weltteile an Konzepten zur autogerechten Stadt, zur Hochhaus-Kultur und zur "Besiedlung des ganzen Landes" geliefert wird? Kämpfen wir vielleicht auf dem falschen Schlachtfeld? CNU und die europäischen Sympathisanten dieser Städtebaubewegung hätten viel Stoff zur Internationalisierung der Debatte. Es sollten nicht gleich Mexiko-City oder Kalkutta sein, die in das Blickfeld zu nehmen wären. Aber z.B. Havanna und Belgrad sind zwingende Themen! Hier würde sich die Kraft des N.U. zu beweisen haben. Hier sollten wir neue Wege und praktische Kooperationsformen beginnen. Die Erfahrungen aus dem Industriellen Gartenreich und der gewachsenen Zusammenarbeit können hilfreich sein und sollten in diesem Sinne weitergeführt werden.
 

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