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Der "weiße Fleck" wird beschrieben: beim Näherkommen werden die Konturen deutlicher, Gegensätze und Gemeinsamkeiten klarer
Der Diskurs wird fortgeführt: neue Ebenen
a) "Natur" und New URBANISM
Neue Kooperationsvorhaben: in der Referenzregion Industrielles Gartenreich
wird ein neues Charrette durchgeführt: das Spektrum der Gestaltungsbereiche
wird um das der Landschaft erweitert: Gestaltung an der Grenze von vernetzter
Industriefolgelandschaft und bereits zurückgewonnener "Natur" aus
frühindustrieller Nutzung. Das Verhältnis von Naturschutz und Gestaltung
einer Industriefolgelandschaft ist ein Defizit im N.U., aber auch in der
Debatte in Europa um die Perspektiven und das Verständnis von "Naturschutz".
Projektort: Industriegemeinde Zschornewitz, Bergbaugebiete und Naturpark.
b) der "Wanderprediger":
Harald Bodenschatz stellt den N.U. an deutschen Universitäten und
Hochschulen zur Diskussion - Interesse, aber auch Skepsis regen sich,
die öffentliche Diskussion hat - wenn auch sporadisch und zaghaft -
begonnen und wird von der Presse z. T. wohlwollend begleitet.
c) die systematische "Aufarbeitung" hat begonnen - ein
"typisch deutscher" Beitrag: Aus mehrwöchigen Exkursionen und verschiedenen
Aufenthalten in den USA sowie der Analyse der Literatur und
Kongressmaterialien wird eine Publikation, die die Geschichte,
die institutionellen Grundlagen, die Projekte, die Kritik und die
internationalen Entwicklungsperspektiven des N.U. darstellt vorbereitet.
d) Projekte werden realisiert - ein "typisch amerikanischer" Beitrag:
Investoren beginnen erste Vorhaben mit Architekten die zum N.U. gehören bzw.
dazu gerechnet werden umzusetzen. Mit Robert Stern als "Flaggschiff" zieht
vermeindlich der N.U. ein: Nobelprojekte in neotraditioneller Architektur.
Es entsteht der Eindruck, N.U. sei wirklich nur eine Spielart in der
Architektur und keine Städtebaubewegung und orientiere auf die Reichen
der Gesellschaft - das ästhetische und soziale Vorurteil wird bestätigt!
Aber: es wird auch das Defizit der europäischen Städtebau - Kultur bestätigt:
es gibt keine Bewegung, die übergreifende Ziele verfolgen könnte (siehe Charta),
öffentlich wirksame Referenzprojekte zu schaffen in der Lage wäre
(Ausnahme: IBA Emscher Park), disziplinübergreifende Kooperation zu entfachen vermag,
kontroverse - aber gemeinsam getragenen - Kongresse veranstalten könnte, die
gesellschaftspolitische Relevanz besitzen, und mit alledem praktische Beiträge
zur Umkehr von Suburbanisierungstendenzen, sozialer Spaltung und Abrissvorhaben
von wertvoller Substanz einleiten sowie die Entwicklung einer öffentlichen
Kultur der Umweltgestaltung in Städten und Regionen maßgeblich -
auf europäischer Ebene - bewerkstelligen könnte.
Chancen nicht verpassen:
Der CNU kann ohne Europa leben, umgekehrt wohl auch. Doch der sprawl
wächst weltweit - gerade in den Ländern, die zu den Ursprungsgebieten der
Industrialisierung zählen, Europa und Nordamerika, beginnen sich die Kräfte
zu formieren, um dieser neuen "Seuche" zu begegnen. Sie löst nicht die
Betroffenheitseuphorie wie BSE in Europa aus, sie schleichender und deshalb
trügerisch - doch wird sie von vielen Menschen in diesen Ländern erkannt.
Die Regionen dieser erde, in denen die Megastädte wachsen, stehen noch vor
dieser kritischen "umkehr" des Denkens. Es müssen aber nicht erste
100 Jahre vergehen, bis das Handlungspotenzial auch dort reift. Es ist
ja noch spärlich genug in den "alten Industriestaaten".
Der Weltkongress für die Zukunft der Städte in Berlin im Juli 2000
brachte das Dilemma indirekt ans Licht: die Lage ist ernst, streiten
wir weiter über architektonische Stile. Die Architektenschaft war rar,
die Europäer und Nordamerikaner - also Weiße - waren in der Überzahl,
doch dominierten sie nicht die Debatten, ja es herrschte geradezu vornehme
Zurückhaltung angesichts der erdrückenden Aussagen zur Megaurbanisierung
in der übrigen Welt. Wie belanglos ist eigentlich unsere Diskussion angesichts
dessen, was aus Europa und Nordamerika in diese Weltteile an Konzepten zur
autogerechten Stadt, zur Hochhaus-Kultur und zur "Besiedlung des ganzen Landes"
geliefert wird? Kämpfen wir vielleicht auf dem falschen Schlachtfeld?
CNU und die europäischen Sympathisanten dieser Städtebaubewegung hätten
viel Stoff zur Internationalisierung der Debatte. Es sollten nicht gleich
Mexiko-City oder Kalkutta sein, die in das Blickfeld zu nehmen wären.
Aber z.B. Havanna und Belgrad sind zwingende Themen! Hier würde sich die
Kraft des N.U. zu beweisen haben. Hier sollten wir neue Wege und praktische
Kooperationsformen beginnen. Die Erfahrungen aus dem Industriellen Gartenreich
und der gewachsenen Zusammenarbeit können hilfreich sein und sollten in
diesem Sinne weitergeführt werden.
weiter mit Quellen und Kontakt
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